Der Umzugswagen war ein geliehener Transporter, die erste Nacht schlief Lena Bergmann auf einer Matratze zwischen Kartons. 38 Quadratmeter Altbau in Leipzig-Plagwitz, Gasetagenheizung, knarzende Dielen, viel zu hohe Decken. Sie war 24, hatte den ersten richtigen Job und war stolz wie selten. Was in dieser Nacht nicht in ihrem Kopf war: der Zählerstand im Flurschrank. Und die Frage, wer ihr eigentlich den Strom liefert. Zweieinhalb Jahre später kostete sie diese Frage rund 1.400 Euro.
Kurz gesagt
- Wer beim Einzug keinen Vertrag abschließt, rutscht automatisch in die Grundversorgung – den teuersten Tarif, den es gibt. Etwa 40 bis 43 Cent pro Kilowattstunde statt 26 bis 29 Cent.
- Für eine kleine Wohnung mit Gasheizung sind das schnell 500 bis 600 Euro Mehrkosten pro Jahr. Bei einem Einstiegsgehalt ist das ein ganzer Monat Miete.
- Rauskommen dauert zehn Minuten: Die Grundversorgung ist mit zwei Wochen Frist kündbar, und der Strom fließt beim Wechsel ohne eine Sekunde Unterbrechung weiter.
Der Zettel im Treppenhaus, den keiner ernst nimmt
Kennst du das? Beim Einzug drückt dir der Vermieter einen Zettel in die Hand: Zählernummer, Zählerstand, Datum. Bei Lena hat der Hausmeister das gemacht, mit Kugelschreiber, auf einem Blatt aus einem alten Notizblock. Sie hat ihn in den Ordner „Wohnung“ gelegt, ganz nach hinten, und nie wieder angeschaut.
Und trotzdem war Licht. Der Kühlschrank brummte, der Herd wurde heiß, das Warmwasser kam. Genau das ist die Falle. Denn Strom und Gas fließen in Deutschland immer – auch wenn du nie einen Vertrag unterschrieben hast. Der Gesetzgeber wollte verhindern, dass jemand im Dunkeln sitzt. Also gilt: Wer Energie entnimmt, ohne einen Vertrag zu haben, wird automatisch vom örtlichen Grundversorger beliefert. Meistens sind das die Stadtwerke.
Das ist praktisch. Es ist auch der teuerste Weg, sich mit Energie zu versorgen. Und weil nichts wehtut, weil kein Mahnbrief kommt und nichts abgeschaltet wird, merken es die meisten nicht. Lena zahlte einen Abschlag von 95 Euro im Monat, per Dauerauftrag, wie die Miete. Läuft.
Die Rechnung nach 14 Monaten: 480 Euro Nachzahlung
Der Brief kam im Frühling. Weißer Umschlag, Sichtfenster, Logo der Stadtwerke. Lena dachte an Werbung. Drin stand: Jahresabrechnung, Nachzahlung 483,60 Euro, neuer Abschlag 132 Euro.
Sie hat sich dann hingesetzt und die Zahlen zum ersten Mal wirklich gelesen. 1.850 Kilowattstunden Strom im Jahr – für eine Person mit Laptop, Fernseher und Wasserkocher völlig normal. Der Arbeitspreis: 42 Cent pro Kilowattstunde, plus 12 Euro Grundpreis im Monat. Macht rund 920 Euro Strom im Jahr. Beim Gas: 6.100 Kilowattstunden für die Etagenheizung, 12,5 Cent pro Kilowattstunde, plus Grundpreis. Rund 930 Euro.
Zusammen etwa 1.850 Euro im Jahr für 38 Quadratmeter. Sie hatte in dieser Zeit rund 1.370 Euro an Abschlägen bezahlt. Daher der Rest.
Grundversorgung liegt fast immer 12 bis 15 Cent pro Kilowattstunde über dem günstigsten Tarif. Bei 1.850 kWh Strom sind das rund 250 Euro im Jahr – ohne dass du eine einzige Lampe weniger anmachst.
Genau davon erzählt dir in der ersten eigenen Wohnung niemand. Alle reden über Nebenkosten, Kaution, Schufa und den Mietvertrag. Aber dass du beim Einzug einen Energievertrag abschließen musst und sonst den Aufschlag für Bequemlichkeit zahlst – das steht in keinem Übergabeprotokoll.
Was Lena hätte zahlen können
Sie hat an dem Abend gerechnet. Nicht gegoogelt, gerechnet, mit dem Handy-Taschenrechner auf dem Küchentisch.
Ein normaler Stromtarif in Leipzig lag damals bei etwa 28 Cent pro Kilowattstunde und 9 Euro Grundpreis. Für ihre 1.850 kWh: rund 625 Euro. Statt 920. Beim Gas: rund 9 Cent, damit etwa 680 Euro statt 930.
Differenz: knapp 550 Euro pro Jahr. In den zweieinhalb Jahren, die sie inzwischen in der Wohnung lebte, gut 1.370 Euro. Ihre Kaution hatte 1.150 Euro betragen.
Sie sagt heute, das Schlimmste war nicht die Zahl. Sondern das Gefühl, dass es niemandes Schuld war und trotzdem passiert ist. Kein Betrug, keine Abzocke, kein Kleingedrucktes. Nur ein Vertrag, den sie nie abgeschlossen hatte – und deshalb bekam sie den teuersten.
Du bist gerade in die erste eigene Wohnung gezogen – oder wohnst schon länger drin und weißt nicht, welchen Tarif du hast? Gib Postleitzahl und Verbrauch ein, wir sagen dir in zwei Minuten, wie viel du zu viel zahlst – und übernehmen danach kostenlos den kompletten Wechsel samt Kündigung und jährlicher Nachprüfung.
Ersparnis in 2 Minuten prüfenWarum sie es zwei Jahre lang vor sich hergeschoben hat
Das ist der ehrlichste Teil der Geschichte. Lena wusste vage, dass Stadtwerke teuer sind. Ihre Mutter hatte es beim Weihnachtsessen erwähnt. Eine Kollegin hatte mal von einem Vergleichsportal erzählt. Und Lena hatte jedes Mal gedacht: Mach ich, wenn ich Zeit habe. Dasselbe Muster gibt es in jeder Familie – nachzulesen in „Papa kümmert sich drum“.
Dahinter stecken drei Ängste, und die sind völlig normal:
„Was, wenn plötzlich der Strom weg ist?“ Kann nicht passieren. Der Strom kommt physisch immer über dasselbe Netz, vom selben Netzbetreiber, durch dieselbe Leitung. Der Wechsel ist reine Bürokratie zwischen zwei Firmen. Und falls ein Anbieter tatsächlich pleitegeht, greift automatisch die Ersatzversorgung – dunkel wird es nie.
„Ich komme aus dem Vertrag nie wieder raus.“ Die Grundversorgung ist mit zwei Wochen Frist kündbar, jederzeit. Kein Mindestlaufzeit-Drama. Und normale Tarife nimmt man am besten mit zwölf Monaten Laufzeit und maximal sechs Wochen Kündigungsfrist – dann bleibt man flexibel.
„Ich verstehe die Tarife nicht.“ Muss man auch nicht bis ins letzte Detail. Aber vier Dinge sollte man wissen: keine Vorkasse, keine Kaution, Preisgarantie auf mindestens zwölf Monate, und beim Wechselbonus nicht blind auf das erste Jahr schielen, sondern auf den Preis danach.
Eine Nachzahlung in dieser Höhe entsteht selten über Nacht. Meistens war der Abschlag von Anfang an zu niedrig. So stellst du ihn richtig ein: Abschlagszahlungen optimieren.
Der Nachmittag, an dem sie es erledigt hat
Es war ein Sonntag. Sie hat ihre Jahresabrechnung rausgeholt, den Verbrauch abgelesen – 1.850 kWh Strom, 6.100 kWh Gas – und beides eingegeben. Dann hat sie sich einen Tarif rausgesucht, ihre Daten bestätigt und den Rest übernehmen lassen. Kündigung beim Grundversorger, Anmeldung beim neuen Anbieter, Zählerstand melden, Termine im Blick behalten: alles nicht ihr Job. Genau dafür gibt es den Wechselservice – kostenlos, du gibst dein Go, das Team erledigt die Formalitäten und prüft jedes Jahr automatisch nach, ob dein Tarif noch der richtige ist.
Gesamter Zeitaufwand für Lena: etwa zehn Minuten. Wirkung: 46 Euro weniger Abschlag im Monat.
Zwei Wochen Kündigungsfrist – das ist alles, was zwischen dir und dem günstigeren Tarif steht. Der Wechsel selbst dauert im Schnitt zwei bis vier Wochen, dein Zähler und dein Netz bleiben dieselben.
Was du in deiner ersten Wohnung sofort machen solltest
Wenn du gerade eingezogen bist oder bald einziehst, sind das die Dinge, die dir später Geld sparen:
Zählerstand fotografieren, am Tag der Übergabe. Mit Zählernummer im Bild. Das ist dein Beweis, dass du nicht den Verbrauch des Vormieters bezahlst. Bei Lena stimmte der Stand zufällig – Glück, kein System.
Herausfinden, welcher Vertrag überhaupt läuft. Schau in dein Onlinebanking: An wen geht die monatliche Abbuchung? Steht dort das örtliche Stadtwerk und du hast nie etwas unterschrieben, bist du in der Grundversorgung. Punkt.
Verbrauch realistisch schätzen, falls du noch keine Abrechnung hast. Ein Ein-Personen-Haushalt liegt bei etwa 1.500 bis 2.000 kWh Strom im Jahr, zwei Personen bei 2.500 bis 3.000. Gas: rund 130 bis 160 kWh pro Quadratmeter, in einer 40-Quadratmeter-Altbauwohnung also 5.000 bis 6.500 kWh. Genauer geht es später immer noch, der Abschlag lässt sich anpassen.
Dann vergleichen, einmal richtig. Wer Strom- und Gastarife vergleichen will, braucht dafür nur Postleitzahl und Verbrauch. Und wer keine Lust hat, das in einem Jahr wieder zu tun – weil Preisgarantien enden und aus günstigen Tarifen stillschweigend teure werden –, lässt es einfach dauerhaft prüfen. Genau daran scheitern nämlich die meisten: nicht am ersten Wechsel, sondern am zweiten.
Fazit
Die erste eigene Wohnung ist voller Dinge, die keiner erklärt. Wie man einen Wasserhahn entkalkt, wie laut die Heizung nachts wird, dass Nachbarn Pakete annehmen. Und eben: dass Strom und Gas nicht einfach „da“ sind, sondern ein Vertrag – und dass der teuerste automatisch kommt, wenn du keinen abschließt.
Lena zahlt heute rund 1.300 Euro im Jahr statt 1.850. Sie hat dafür keinen Anbieter angerufen, keine Kündigung geschrieben, keine Frist im Kalender notiert. Sie hat nur einmal aufgehört, es aufzuschieben. Wenn du gerade selbst zwischen Kartons sitzt: Nimm die zehn Minuten jetzt. Das ist billiger als jede Nachzahlung – und du kannst deinen Zettel aus dem Treppenhaus danach beruhigt ganz nach hinten in den Ordner legen. Fang am besten damit an, deine Ersparnis berechnen zu lassen.


