Wenn du bei uns im Wechselservice landest, schickst du uns in der Regel zwei Dinge: deine letzte Jahresabrechnung und deine Postleitzahl. Mehr brauchen wir nicht. Und ehrlich gesagt brauchen wir die Abrechnung meistens nicht mal ganz – die ersten zwei Seiten reichen, um zu sehen, wo das Geld versickert. Es sind immer dieselben fünf Sachen. Jeden Tag, quer durch alle Versorger, quer durch alle Bundesländer. Hier sind sie.
Kurz gesagt
- Der teuerste Fehler ist der unsichtbare: Wer in der Grundversorgung hängt, zahlt im Beispiel schnell 400 bis 500 Euro im Jahr zu viel.
- Abschlag, Bonus und geschätzte Zählerstände sind die drei Stellen, an denen die Rechnung dich systematisch in die Irre führt.
- Zehn Minuten Prüfung reichen – oder du gibst uns dein Go und wir machen es kostenlos, jedes Jahr neu.
Fehler 1: Du bist in der Grundversorgung und weißt es nicht
Das ist der Klassiker. Und er ist so unspektakulär, dass ihn kaum jemand bemerkt. Auf der Rechnung steht kein Warnhinweis. Da steht einfach der Name der Stadtwerke, ein Tarifname wie „Grundversorgung Strom“ oder „Allgemeiner Tarif“, und darunter die Zahlen.
Wie landet man da? Fast immer durch Umzug. Du ziehst ein, drehst den Strom auf, und ab diesem Moment beliefert dich der örtliche Grundversorger. Automatisch, ohne dass du irgendetwas unterschrieben hast. Das ist gesetzlich so geregelt und erst mal auch sinnvoll – niemand sitzt im Dunkeln. Teuer wird es, wenn du danach drei Jahre lang nichts machst.
Beispielrechnung, bewusst mit runden Annahmen: Haushalt mit 3.500 kWh im Jahr.
| Position | Grundversorgung | Wechseltarif |
|---|---|---|
| Arbeitspreis | 41 ct/kWh | 29 ct/kWh |
| Grundpreis | 14 €/Monat | 10 €/Monat |
| Jahreskosten | 1.603 € | 1.135 € |
| Differenz | – | 468 € |
468 Euro. Für exakt denselben Strom, aus derselben Leitung, mit derselben Versorgungssicherheit. Der Netzbetreiber bleibt gleich, der Zähler bleibt gleich, es kommt kein Monteur. Wenn du wissen willst, wer bei dir überhaupt Grundversorger ist und was das konkret kostet, haben wir das am Beispiel der Region in Strom an der Mosel: Wer ist Grundversorger und was kostet das 2026? durchgerechnet.
Grundversorgung kannst du mit zwei Wochen Frist kündigen. So steht es in § 20 StromGVV – kein Vertragsende abwarten, keine Mindestlaufzeit, keine Ausrede.
Fehler 2: Der Abschlag passt überhaupt nicht zum Verbrauch
Zweithäufigste Sache auf unserem Tisch. Der monatliche Abschlag ist eine Vorauszahlung, geschätzt auf Basis deines letzten Jahres. Wenn sich dein Leben ändert – Kind aus dem Haus, Homeoffice dazu, alter Kühlschrank raus –, ändert sich der Abschlag nicht automatisch mit.
Wir sehen beide Richtungen. Zu niedrig ist unangenehm: Im Februar liegt eine Nachzahlung über 400 Euro im Briefkasten, und zwar genau dann, wenn du sie am wenigsten brauchst. Zu hoch ist subtiler, aber auch nicht besser. Wer monatlich 120 Euro zahlt und am Ende bei 1.135 Euro Jahreskosten landet, hat dem Versorger 305 Euro geliehen. Zinslos. Zwölf Monate lang.
Das ist kein Sparbuch. Das ist Geld, das auf deinem Konto besser aufgehoben wäre. Und ja, du darfst den Abschlag anpassen lassen – eine formlose Mail mit deinem aktuellen Zählerstand und einer realistischen Hochrechnung reicht in aller Regel.
- 2 WochenKündigungsfrist in der Grundversorgung (§ 20 StromGVV)
- 1 Monatmaximale Kündigungsfrist nach Ablauf der Erstlaufzeit (§ 41 Abs. 2 EnWG)
- 2,05 ctStromsteuer je kWh für Haushalte
- 19 %Mehrwertsteuer auf alles, auch auf die Steuern
Du musst deine Rechnung nicht selbst sezieren. Schick uns deine Jahresabrechnung, wir suchen die fünf Fehler darin, rechnen deine Ersparnis aus und übernehmen Wechsel und Kündigung komplett – kostenlos, und jedes Jahr prüfen wir automatisch nach.
Jetzt Ersparnis berechnenFehler 3: Der Bonus hat die Rechnung schöngerechnet – einmal
Diesen Fehler erkennt man daran, dass die Leute sagen: „Ich hab doch letztes Jahr erst gewechselt, da war alles gut.“ War es auch. Im ersten Jahr.
Ein Neukundenbonus von 150 Euro zieht die Jahreskosten in unserem Beispiel von 1.135 auf 985 Euro. Das sieht großartig aus. Im zweiten Jahr fällt der Bonus weg, der Tarif kostet wieder 1.135 Euro – und falls der Versorger zwischendurch die Preise angehoben hat, auch mehr. Die Rechnung springt also um 150 Euro oder mehr nach oben, ohne dass sich irgendetwas an deinem Verbrauch geändert hat.
Darauf schauen wir zuerst
- Arbeitspreis in ct/kWh ohne Bonus
- Grundpreis pro Monat
- Preisgarantie: bis wann genau
- Erstlaufzeit und Kündigungsfrist
Das sagt wenig aus
- Beworbener „Jahrespreis“ inklusive Bonus
- Sternchen-Ersparnis gegenüber Grundversorgung
- Tarifnamen mit „Komfort“ oder „Premium“
- Bewertungssterne auf der Anbieterseite
Boni sind nichts Schlimmes. Man darf sie nur nicht mit einem günstigen Tarif verwechseln. Ein Bonus ist eine einmalige Zahlung, der Arbeitspreis ist das, was du zwölf Monate lang zahlst.
Fehler 4: Der Zählerstand wurde geschätzt – und zwar großzügig
Schau auf deiner Rechnung nach dem Wort „geschätzt“ oder einem kleinen Kürzel neben dem Zählerstand. Oft steht da ein „S“ oder „geschätzter Ablesewert“. Das ist erlaubt, wenn nicht abgelesen werden konnte. Aber es ist eben eine Schätzung, kein Messwert.
Wenn die Schätzung zu hoch liegt, zahlst du für Strom, den du nie verbraucht hast. Wenn sie zu niedrig liegt, freust du dich kurz und bekommst die Differenz im Jahr darauf aufgebrummt. Beides unnötig, denn die Lösung dauert 30 Sekunden: einmal im Jahr zum Zähler gehen, Foto machen, Stand durchgeben. Die Zählernummer auf der Rechnung sollte dabei mit der auf dem Zähler übereinstimmen – auch das stimmt nicht immer, vor allem nach einem Umzug. Wie du beim Einzug sauber anmeldest und welche Nummer wohin gehört, steht in Strom anmelden beim Umzug.
Fehler 5: Der Preisanpassungsbrief wurde nicht gelesen
Der kommt meistens im Spätherbst. Betreff irgendwas mit „Information zu Ihrem Energieliefervertrag“. Zwei Seiten, viel Text über Beschaffungsmärkte und Netzentgelte, und irgendwo auf Seite zwei der neue Arbeitspreis. Diese Briefe werden überflogen und weggelegt. Verstehe ich. Aber genau da drin steckt dein Sonderkündigungsrecht.
Heißt im Klartext: Du hast mindestens einen Monat Vorlauf, um zu reagieren. Nutzt du ihn nicht, gilt der neue Preis als akzeptiert. Und nein, dein Vertrag verlängert sich danach nicht automatisch um zwölf Monate Knebellaufzeit – nach Ablauf der Erstlaufzeit darf die Kündigungsfrist für Haushaltskunden höchstens einen Monat betragen. Der Versorger darf allerdings auch seinerseits kündigen, das passiert bei sehr günstigen Alttarifen durchaus.
Falls dir beim Lesen deiner Rechnung einzelne Posten unklar sind – Netzentgelt, Messstellenbetrieb, Konzessionsabgabe –, haben wir jede Zeile einmal auseinandergenommen in Stromabrechnung verstehen: Jede Position erklärt.
So prüfst du deine Rechnung in zehn Minuten
- Tarifnamen suchen. Steht da „Grundversorgung“ oder „Ersatzversorgung“? Dann aufhören zu lesen und wechseln.
- Arbeitspreis und Grundpreis markieren. Beides in ct/kWh und Euro pro Monat, ohne Bonus. Das sind deine einzigen zwei Vergleichszahlen.
- Verbrauch gegen Abschlag rechnen. Jahresverbrauch mal Arbeitspreis plus zwölf mal Grundpreis. Weicht das stark von deinen Abschlägen ab, Abschlag anpassen lassen.
- Nach dem Wort „geschätzt“ suchen. Wenn es auftaucht: Zählerstand ablesen und melden.
- Laufzeitende und Kündigungsfrist notieren. Zwei Zahlen, ein Kalendereintrag. Danach darfst du es wieder vergessen.
Das ist machbar. Es ist nur leider nichts, was man gern an einem Dienstagabend macht. Und genau deshalb bleibt es liegen, Jahr für Jahr. Wenn du keine Lust auf den Papierkram hast: Unser Wechselservice übernimmt den kompletten Ablauf. Du gibst dein Go, wir kümmern uns um Anmeldung, Kündigung und Fristen – und melden uns von allein, bevor im nächsten Jahr der Bonus ausläuft.
Fazit
Keiner dieser fünf Fehler ist ein Skandal. Es sind Kleinigkeiten, die niemand böswillig eingebaut hat. Aber sie summieren sich, und sie summieren sich still. Grundversorgung plus falscher Abschlag plus ausgelaufener Bonus – da sind schnell 500 Euro im Jahr weg, ohne dass jemals etwas Auffälliges in deinem Briefkasten lag.
Der nächste Schritt für heute: Hol deine letzte Jahresabrechnung raus und schau nur auf eine einzige Stelle – den Tarifnamen. Dauert zwanzig Sekunden. Wenn da „Grundversorgung“ steht, kannst du direkt deinen Verbrauch eingeben und deine Ersparnis berechnen. Und falls du einfach nur sehen willst, was es für deine Postleitzahl gerade gibt: Hier kannst du Strom- und Gastarife vergleichen.


