Du stehst mit dem letzten Umzugskarton in der neuen Wohnung, es ist halb neun abends, du drückst den Lichtschalter. Und es wird hell. Ohne dass du irgendwo etwas angemeldet hättest. Das fühlt sich erst mal gut an. Ist aber der Moment, in dem eine Uhr zu ticken anfängt, von der die meisten Menschen nichts wissen. Denn dieser Strom hat einen Preis, und er gehört fast immer zu den teuersten, die du in Deutschland bekommen kannst. Zwei Wochen später liegt das Schreiben des örtlichen Grundversorgers im Briefkasten, und dann wird es konkret.
Kurz gesagt
- Ohne eigenen Vertrag landest du automatisch in der Ersatzversorgung nach § 38 EnWG. Die endet nach spätestens drei Monaten und geht in die Grundversorgung über. Beides ist teuer.
- Du brauchst nur vier Angaben: Zählernummer, Zählerstand am Einzugstag, Einzugsdatum und deine neue Adresse. Fotografiere den Zähler, bevor du die ersten Kartons hereinträgst.
- Melde dich am besten zwei bis vier Wochen vor dem Einzug beim Wunschanbieter an. Dann fließt ab Tag eins Strom zu einem Preis, den du selbst ausgesucht hast.
Warum in der neuen Wohnung schon Strom da ist
Der Strom fließt, weil der Netzbetreiber die Leitung nicht abklemmt, nur weil der Vormieter ausgezogen ist. Das wäre auch unpraktisch. Stattdessen gibt es eine gesetzliche Auffanglösung: Nimmst du Strom ab, ohne dass es dafür einen Liefervertrag gibt, beliefert dich automatisch der örtliche Grundversorger. Das ist keine Grauzone, das steht so im Gesetz.
Klingt nach einem netten Service. Ist es auch, technisch gesehen. Nur eben zum Allgemeinen Preis, und der liegt in den meisten Netzgebieten deutlich über dem, was du bei freier Anbieterwahl zahlst. Nach drei Monaten rutschst du dann in die normale Grundversorgung. Die ist meist etwas günstiger als die Ersatzversorgung, aber immer noch der Tarif, den ein Versorger für Leute anbietet, die sich nicht kümmern.
Das brauchst du, bevor du irgendwo etwas ausfüllst
Die Anmeldung selbst dauert keine fünf Minuten. Das Nervige ist, die richtigen Zahlen zusammenzusuchen, wenn man schon drei Stunden Kartons geschleppt hat. Also mach es vorher.
- ZählernummerSteht direkt auf dem Zähler, meist mit Barcode daneben
- ZählerstandAm Tag der Schlüsselübergabe ablesen und fotografieren
- EinzugsdatumAb wann du den Strom haben willst
- 3.500 kWhTypischer Jahresverbrauch eines Vier-Personen-Haushalts
Zum Verbrauch: Wenn du keine Ahnung hast, was du brauchst, schätz lieber etwas zu niedrig als zu hoch. Ein Single in einer Zweizimmerwohnung liegt oft bei 1.500 bis 2.000 Kilowattstunden im Jahr, ein Paar bei rund 2.500, eine vierköpfige Familie im Haus bei 3.500 bis 4.500. Wer Warmwasser mit dem Durchlauferhitzer macht, kann noch mal deutlich drauflegen. Die Schätzung bestimmt nur deinen Abschlag, nicht deine Rechnung. Abgerechnet wird am Ende immer nach echtem Verbrauch.
Und dieses Zählerfoto ist wirklich der wichtigste Handgriff des ganzen Umzugstags. Es beweist, wo du angefangen hast. Ohne Foto steht später deine Aussage gegen die des Vormieters, und geschätzte Zählerstände haben eine erstaunliche Neigung, zu deinen Ungunsten auszufallen.
Strom anmelden in der neuen Wohnung: die fünf Schritte
- Zwei bis vier Wochen vorher den Tarif aussuchen. Du kannst einen Liefervertrag zu einem Datum in der Zukunft abschließen. Genau dafür gibt es beim Vergleich das Feld „Einzugsdatum“. Hier kannst du direkt Strom- und Gastarife vergleichen und siehst, welche Angebote es an deiner neuen Adresse überhaupt gibt.
- Am Einzugstag ablesen. Zähler fotografieren, Nummer und Stand notieren, am besten zusammen mit dem Vormieter oder dem Vermieter im Übergabeprotokoll festhalten.
- Zählerstand an den neuen Anbieter melden. Meist per Onlineformular oder Mail. Der Anbieter meldet dich beim Netzbetreiber an, du musst dort nichts extra tun.
- Alte Wohnung abmelden. Auch dort Zählerstand notieren und dem bisherigen Versorger den Auszug melden. Sonst zahlst du weiter für eine Wohnung, in der jemand anderes wohnt.
- Bestätigung prüfen. Wenn nach zwei bis drei Wochen keine Anmeldebestätigung da ist, hak nach. Das ist der einzige Punkt, an dem Anmeldungen wirklich hängen bleiben.
Fünf Cent Preisunterschied pro Kilowattstunde sind bei 3.500 kWh genau 175 Euro im Jahr. Und genau in dieser Größenordnung bewegt sich in vielen Netzgebieten der Abstand zwischen Grundversorgung und einem guten Tarif.
Umzug ist schon anstrengend genug, ohne dass du dich durch dreißig Stromtarife klickst. Sag uns, wohin du ziehst und wie viele Personen einziehen. Wir suchen den passenden Tarif, melden dich an und prüfen jedes Jahr automatisch nach, ob es günstiger geht. Kostenlos, du gibst nur dein Go.
Ersparnis in 2 Minuten prüfenErst mal Grundversorgung, später kümmern? Keine gute Idee
Das ist der Plan, den die meisten haben. Erst mal ankommen, Küche aufbauen, Internet klarmachen, und den Strom regelt man dann „im Herbst mal“. Nur verschwindet der Punkt aus dem Kopf, sobald das Licht angeht. Es gibt keinen Schmerz, keine Erinnerung, nichts. Bis zur ersten Jahresrechnung. Und dann waren es eben zwölf Monate zum Allgemeinen Preis.
Gut ist immerhin: Aus der Grundversorgung kommst du jederzeit schnell wieder raus. Die Kündigungsfrist beträgt nach der Stromgrundversorgungsverordnung zwei Wochen. Keine Mindestlaufzeit, keine Hürden. Das ist der eine echte Vorteil dieses Tarifs.
Spricht für Grundversorgung
- Du bist automatisch versorgt, ohne einen Finger zu rühren
- Kündigungsfrist zwei Wochen, jederzeit
- Keine Vorkasse, keine Kaution, keine Pakettarife
- Sinnvoll als Überbrückung für ein paar Wochen
Spricht dagegen
- Fast immer der teuerste Tarif im Netzgebiet
- Keine Neukundenboni
- Preiserhöhungen treffen dich oft, ohne dass du sie kommen siehst
- Nach drei Monaten Ersatzversorgung läuft es einfach weiter
Die Fehler, die beim Umzug richtig Geld kosten
Ich sehe immer wieder dieselben vier Sachen. Erstens: alte Wohnung nicht abgemeldet. Der Vertrag läuft weiter, die Abschläge auch. Zweitens: doppelte Anmeldung, weil man online einen Tarif abgeschlossen und danach noch mal beim Grundversorger angerufen hat. Dann liegen zwei Anmeldungen beim Netzbetreiber, und das Ganze wird zur Klärungsschleife. Drittens: Zählerstand geschätzt statt abgelesen. Viertens, und das ärgert am meisten: Der Nachtspeicher oder die Wärmepumpe hängt an einem zweiten Zähler, und den hat niemand angemeldet.
Übrigens hast du bei einem online abgeschlossenen Vertrag 14 Tage Widerrufsrecht. Wenn du also im Umzugsstress etwas unterschrieben hast, was dir am nächsten Morgen komisch vorkommt, ist das kein Drama. Widerruf raus, fertig.
Und dann? Einmal anmelden reicht nicht
Hier kommt der Teil, den kaum jemand mitdenkt. Ein guter Tarif ist ein guter Tarif für zwölf Monate. Danach fällt der Neukundenbonus weg, die Preisgarantie läuft aus, und der Anbieter hebt an. Wer nach dem Umzug einmal alles richtig macht und sich dann nie wieder kümmert, zahlt im dritten Jahr wieder das, was er vermeiden wollte.
Genau deshalb gibt es unseren Wechselservice. Wir übernehmen die Anmeldung beim Einzug, behalten Laufzeiten und Kündigungsfristen im Blick und prüfen jedes Jahr automatisch, ob dein Tarif noch passt. Du bekommst einen Vorschlag, sagst Ja oder Nein, mehr ist nicht zu tun. Kostet dich nichts.
Fazit
Strom in der neuen Wohnung anzumelden ist keine Raketenwissenschaft. Zählerfoto machen, vier Angaben ausfüllen, alte Wohnung abmelden. Das Einzige, was wirklich Geld kostet, ist das Nichtstun. Drei Monate Ersatzversorgung, danach Grundversorgung – und schon hast du über ein Jahr hinweg einen dreistelligen Betrag zu viel gezahlt, ohne je eine Entscheidung getroffen zu haben. Mach es zwei Wochen vor dem Umzug, wenn der Kopf noch frei ist. Oder lass es machen. Wenn du wissen willst, worüber wir hier eigentlich reden: Ersparnis berechnen dauert keine zwei Minuten, und dann hast du eine Zahl statt eines Bauchgefühls.


